Die Stadt Stuttgart möchte niederschwellige und stadtteilbezogene Sport- und Bewegungsangebote in öffentlichen Räumen für Mädchen und junge Frauen fördern. Wie sollen diese ausgestaltet sein, damit sie von Mädchen und jungen Frauen genutzt werden? Die Pilotstudie «spORT für dich – gendergerechte Sport- und Bewegungsangebote» gibt darauf Antworten.
Diese stellte das Projektteam an der Abschlussveranstaltung zum Projekt vor. Die Stadt Stuttgart beauftragte Kathrin Amann und Raimund Kemper vom IFSAR sowie Christian Reutlinger vom Institut für Sozialplanung, Organisationaler Wandel und Stadtentwicklung der FHNW mit der fachlichen Begleitung der Studie. Beobachtungen in der Stadt Stuttgart zeigen, dass Mädchen und junge Frauen öffentliche Räume weniger und in anderer Weise nutzen als Buben. Mädchen und junge Frauen sind im öffentlichen Raum weniger sichtbar und meiden spezifische Orte. Bewegungsangebote im öffentlichen Raum und öffentlich zugängliche Sportanlagen orientieren sich vorwiegend an den Interessen von Jungen.
Vor diesem Hintergrund stellten sich verschiedene Fragen: Was sind die Gründe für den Rückzug von Mädchen und jungen Frauen aus öffentlichen Sport- und Bewegungsräumen? Welche Bedürfnisse haben sie? Wie können die gendergerechte Planung, Gestaltung und Reglementierung von Sport- und Bewegungsräumen in der Stadt Stuttgart gelingen? Die Pilotstudie «spORT für dich – gendergerechte Sport- und Bewegungsangebote» zielte mit der Suche nach Antworten auf diese Fragen darauf ab, dass sich Mädchen und junge Frauen in Stuttgart mehr bewegen und sich den öffentlichen Raum mehr aneignen können – niederschwellig, stadtteilbezogen und gendersensibel. Die gleichberechtigte Teilhabe am öffentlichen Leben soll gefördert werden, auch im Bereich Sport und Bewegung.
Wichtigste Bausteine der Studie waren eine Synthese zum bestehenden Wissen, eine Online-Umfrage zur Erhebung von Sport- und Bewegungsformen, Hindernissen im öffentlichen Raum und Bedürfnissen der Zielgruppe, Bewegungslabore, um Sport- und Bewegungsangebote und -räume für einen begrenzten Zeitraum zu testen und die Auswertung und Zusammenfassung der Erkenntnisse. Diese wurden in politischen Gremien diskutiert, der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und bereits in das Handeln von Amtsstellen und Vereinen übersetzt.
Eine zentrale Erkenntnis aus der Studie zu gendergerechten Sport- und Bewegungsräumen ist, dass Mädchen und jungen Frauen sich gerne dort aufhalten, wo sie sich wohlfühlen und vertrauensvolle Beziehungen aufbauen können. Beziehung und Vertrauen zu Menschen, die Sport- und Bewegungsräume betreuen und mit denen sie gemeinsam Sport machen, sowie gendersensibel ausgestattete, sichere, gepflegte und gut erreichbare Räume ohne Bewertungsdruck, mit niederschwelligem Zugang und mit Begegnungsqualität sind wichtige Faktoren. Zentrale strukturelle Rahmenbedingungen für gendergerechte Sport- und Bewegungsräume sind das Verständnis dieses Themas als Querschnittsaufgabe in der Verwaltung, die Zusammenarbeit zwischen Fachämtern, Schulen, Jugendarbeit, Sportvereinen und der Zivilgesellschaft, die frühzeitige und aktive Einbindung von Mädchen und jungen Frauen in die Planung, Gestaltung und Weiterentwicklung, sowie verlässliche finanzielle, personelle und strukturelle Ressourcen.
Kontakt: raimund.kemper@ost.ch

