Vom 18. bis 22. Mai 2026 fand in Prag die 6. Konferenz der Ecosystem Services Partnership (ESP) statt. Die Konferenz brachte rund 400 Wissenschaftler:innen, Praktiker:innen und politische Entscheidungsträger:innen aus der ganzen Welt zusammen, um die Rolle von Ökosystemleistungen für eine naturpositive Zukunft in Europa zu diskutieren. Raimund Kemper vom IFSAR war mit einem Beitrag aus dem laufenden EU-Forschungsprojekt NatureScape vertreten.
Die ESP-Konferenz stellte gesellschaftliche Wendepunkte in den Mittelpunkt: Biodiversitätsverlust, Klimaunsicherheit, politische Transformationen und sozioökonomische Ungleichheiten prägen den Rahmen, in dem Ökosystemleistungen heute diskutiert werden müssen. Vor diesem Hintergrund wurde gefragt, wie Ökosystemleistungen gerecht, inklusiv und wirksam in Governance-Strukturen, Politik und Praxis integriert werden können – von urbanen Grünflächen zur Hitzeentlastung bis hin zu Schutzgebieten.
Inklusive naturbasierte Lösungen für gerechte Städte
Unter dem Titel «Collaborative Governance Mechanisms for Post-Implementation NBS Stewardship: Enabling Inclusive and Equitable Urban Transformation» präsentierte Raimund Kemper in seinem Beitrag erste Erkenntnisse aus dem EU-Biodiversa+ Projekt NatureScape (2025–2028). Das Projekt richtet seinen Fokus auf die Phase nach der Umsetzung urbaner naturbasierter Lösungen (NBS) – also auf die Frage, was nach der Erstellung eines Gemeinschaftsgartens, eines Regenwassergartens oder eines begrünten Dachs passiert.
NBS werden zunehmend als strategische Antworten auf Klimawandel und Biodiversitätsverlust eingesetzt. Städte investieren erheblich in solche sozial-ökologischen Massnahmen zur Klimaanpassung. Bisherige Forschungsarbeiten konzentrieren sich jedoch stark auf die Planungs- und Umsetzungsphase. Was danach kommt – die langfristige Pflege, Weiterentwicklung und gemeinschaftliche Verantwortungsübernahme – bleibt oft unzureichend erforscht. Die dauerhafte inklusive und gerechte Wirkung von NBS ist keineswegs selbstverständlich.
Sieben europäische Städte als Transformationslabore
Das NatureScape-Projekt arbeitet mit sieben europäischen Transformationslaboren in Oslo, Dublin, Riga, Mailand, Lissabon, Lublin und St. Gallen. In diesen Städten werden Governance-Mechanismen erprobt, die kritische Wissenslücken in der Nachimplementierungsphase schliessen sollen. Das Forschungsteam stellt dabei zwei zentrale Fragen:
- Welche Faktoren fördern oder hemmen die Langzeitverantwortung urbaner NBS nach ihrer Umsetzung?
- Welche Governance-Strategien und Massnahmen ermöglichen eine erfolgreiche Langzeitverantwortung für NBS, sodass ihr Potenzial für eine inklusive und gerechte urbane Transformation realisiert werden kann?
Die Nachimplementierungsphase als kritischer Übergang
Die ersten Ergebnisse im Projekt zeigen: Langfristige Gerechtigkeit und Inklusion lassen sich nicht allein durch gemeinschaftliche Pflege und technischen Unterhalt sicherstellen. Es braucht kollaboratives Management und gemeinsam getragene Verantwortung. Wichtige Schlüsselfaktoren sind: institutionelle Verankerung von NBS, die langfristige finanzielle Absicherung, die Anbindung an übergeordnete Ziele und Strategien, die Integration von lokalem Wissen in formale Strukturen sowie eine dynamische, gemeinschaftlich getragene Beteiligung, die echte Partizipation gewährleistet. Diese Mechanismen positionieren die Langzeitverantwortung von NBS als zentralen Ansatz für eine gerechte und inklusive Stadtentwicklung.
Kontakt: Raimund Kemper

