Warum ist es so schwer, den übermächtigen Wunsch der allermeisten älteren Menschen zu ermöglichen: zuhause wohnen bleiben können bis zuletzt?
- Was sind das für Prozesse, in denen es dann plötzlich oft sehr schnell geht und die Einschätzung kippt: „nun geht es wirklich nicht mehr zuhaus“?
- Wer knickt hier ein, wer kann nicht mehr?
- Welche Einschätzungen bekommen plötzlich die Übermacht,
- in welchen Koalitionen und warum geht manchmal dann plötzlich alles so schnell?
- Wären vielleicht doch noch tragfähige Ressourcen und Bereitschaften vorhanden, neue vielleicht zusätzlich mobilisierbar?
- Und wie bekommen hier die ureigenen Wünsche und Bedürfnisse der Älteren selbst noch eine Stimme?
In einem neuen Aufsatz aus dem binationalen F+E-Projekt InnoWo (CCG-FHS und HS Mannheim) können Hinweise für Strategien für die ambulante Versorgung von alten, unterstützungsbedürftigen Menschen bzw. Hochaltrigen gezogen werden. Dort werden in drei längsschnittlichen Fallstudien wie mit einer systemischen Lupe einmal ganz genau die Prozesse nachgezeichnet – Prozesse häuslicher Versorgung, an der ein ganzheitlich arbeitender Beratungs- und Begleitungsdienst intensiv beteiligt ist.
Die geschilderten Krisenereignisse zeigen, dass möglichst frühzeitige niederschwellige präventive Interventionen, vor allem aber die psychosoziale Beratung, erste Krisen verhindern oder hinauszögern können. Beginnt der Hilfeprozess in einer aktuellen Krise, ist es häufig notwendig, mehrere biopsychosoziale Interventionen simultan durchzuführen. Entscheidend kommt es dabei auf die Sorgfalt und Professionalität der Fachkräfte an, damit sie das gesamte Umfeld nicht verstören oder überfordern. Nicht zuletzt führt ein massgeschneiderter Hilfeprozess nur dann mittel- und langfristig zum gewünschten Ziel des Verbleibens zu Hause – wenn möglich bis zum Lebensende –, wenn dieser immer aufs Neue und zuverlässig nachgebessert wird und die alten Menschen die Akteursrolle behalten können. Akteure in diesem Sinne sind aber auch, das zeigen diese Vignetten deutlich, die – oft selbst alten – Angehörigen. Und deren Interessen und Bedürfnisse sind keineswegs konform mit denen der alten Menschen und für die das Zusammenleben oder die »Sorgearbeit« unerträglich werden kann.
