Projektabschluss «Wohnrealitäten von Babyboomer:innen in der Schweiz: Mythen auf dem Prüfstand»

Die Babyboomer – eine schillernde Generation: hochgebildet, aktiv, mobil, selbstbestimmt und offen für Neues, nicht zuletzt für neue Wohnformen. Diese Beschreibung einer Generation erscheint sowohl im öffentlichen wie auch im wissenschaftlichen Diskurs dominant. Doch sie beinhaltet «blinde Flecken»: Für welche Babyboomer:innen gilt diese Charakterisierung? Wie gross ist das Interesse an neuen Wohnformen tatsächlich? Und beinhaltet dieses Bild einer ganzen Generation nicht ein Stück weit gar Mythen, welche zu prüfen sich lohnen könnte?

Dem hat sich das Forschungsprojekt «Wohnrealitäten von Babyboomer:innen in der Schweiz: Mythen auf dem Prüfstand» angenommen, indem es den vereinfachenden und stereotypisierenden Mythen die vielfältigen Wohnrealitäten von Babyboomer:innen entgegenstellte. Gefördert wurde das dreijährige Forschungsprojekt (2023 bis 2026) von der Age-Stiftung. Es wurde in Zusammenarbeit des IFSARs (Institut für Soziale Arbeit und Räume) der OST – Ostschweizer Fachhochschule mit der Professur für Stadt und Gesundheit (Christian Reutlinger) der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW durchgeführt.

Zentrale Erkenntnisse: Bedürfnisse statt Generationenklischees
Die Ergebnisse dieses qualitativen Forschungsprojekts zeigen, dass die vereinfachenden Zuschreibungen und Generationen-Etikettierungen die Wohnrealitäten der Babyboomer:innen nicht zu fassen vermögen. Als Gemeinsamkeit herausstellen lassen sich in erster Linie die Bedürfnisse, die im und über das Wohnen befriedigt werden, beziehungsweise befriedigt werden wollen: die Bedürfnisse nach Eingebundensein, Selbstbestimmung, Selbstausdruck sowie Sicherheit, Schutz und Geborgenheit. Es sind Bedürfnisse, die das Wohnen aller Menschen in allen Lebensphasen prägen und kein Alleinstellungsmerkmal der Babyboomer-Generation. Gleichwohl zeigte sich, dass diese Bedürfnisse bei den befragten Babyboomer:innen auf eine spezifische Art und Weise zum Ausdruck kommen.

Eine Generation im Wandel
Die Babyboomer:innen befinden sich heute in einem Lebensabschnitt, der durch mehr oder weniger tiefgreifende Veränderungen geprägt ist: Die Pensionierung steht an, der Auszug der Kinder (falls vorhanden) ist noch nicht lange her, vielleicht kommen Enkelkinder dazu, Fragen von Alter(n) und Gesundheit stellen sich allenfalls drängender als in jüngeren Jahren. Selbstverständlichkeiten und Routinen werden durch neue Umstände herausgefordert und bieten gleichzeitig neue Gestaltungsspielräume. Vorbilder für die Ausgestaltung dieser Gestaltungsspielräume und den damit einhergehenden -anforderungen fehlen mehrheitlich: Die Babyboomer:innen sind die erste Generation, die diesen Lebensabschnitt in einer zunehmend individualisierten und pluralisierten Gesellschaft erleben und gestalten darf und muss.

Publikation und weitere Informationen
Die Ergebnisse des Forschungsprojekts sind in der Abschlusspublikation «Das Wohnen von Babyboomern in der Schweiz. Mythen auf dem Prüfstand» zusammengefasst. Alle Produkte – Abschlusspublikation, Karten (A5 und A6) sowie digitale Bewegtbilder (GIFs) – können auf der Website der Age-Stiftung heruntergeladen werden: https://www.age-stiftung.ch/foerderung/wie-wohnen-und-leben-babyboomerinnen-und-babyboomer-mythen-auf-dem-pruefstand

Mehr Informationen zum Forschungsprojekt finden sich auch auf der Projekt-Homepage.

Für Rückfragen stehen Ihnen Nicola Hilti, Franziska Städler und Luana Massaro gerne zur Verfügung.

GIFs / Bewegtbilder – bitte anklicken: